Neobroker Steuern 2026: Was du wissen musst

Wer über einen Neobroker investiert, muss sich auch mit dem Thema Steuern beschäftigen. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen kümmert sich euer Broker automatisch darum. Trotzdem gibt es einige wichtige Punkte, die ihr kennen solltet – besonders beim Freistellungsauftrag, der Verlustverrechnung und der Steuererklärung.

Wie werden Kapitalerträge bei Neobrokern besteuert?

Auf Gewinne aus Aktien, ETFs, Dividenden und Zinsen fällt in Deutschland die Abgeltungssteuer an. Diese beträgt pauschal 25 % plus Solidaritätszuschlag (5,5 % darauf) und ggf. Kirchensteuer. Insgesamt zahlt ihr also zwischen 26,375 % und ca. 28 % Steuern auf eure Kapitalerträge.

Deutsche Neobroker wie Trade Republic, Scalable Capital und Smartbroker+ führen die Steuer automatisch an das Finanzamt ab. Ihr müsst euch also nicht selbst darum kümmern – das Geld wird direkt bei Gewinnrealisierung oder Dividendenzahlung einbehalten.

Freistellungsauftrag: 1.000 € steuerfrei nutzen

Jeder Anleger hat einen Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Jahr (2.000 € bei Ehepaaren). Bis zu diesem Betrag bleiben eure Kapitalerträge komplett steuerfrei. Damit euer Neobroker das berücksichtigt, müsst ihr einen Freistellungsauftrag einrichten.

Wichtig: Habt ihr Depots bei mehreren Brokern, könnt ihr den Freibetrag aufteilen. Die Summe aller Freistellungsaufträge darf aber 1.000 € nicht überschreiten. Bei Trade Republic und Scalable Capital könnt ihr den Freistellungsauftrag direkt in der App einrichten – dauert keine 2 Minuten.

Vorabpauschale bei thesaurierenden ETFs

Bei thesaurierenden ETFs (die Dividenden automatisch reinvestieren) fällt seit 2018 eine sogenannte Vorabpauschale an. Diese wird Anfang des Jahres berechnet und basiert auf dem Basiszins der Bundesbank. 2026 liegt dieser bei ca. 2,29 %, was eine spürbare Vorabpauschale bedeutet.

In der Praxis heißt das: Euer Neobroker zieht im Januar automatisch einen kleinen Betrag von eurem Verrechnungskonto ab. Stellt sicher, dass dort genug Guthaben liegt – sonst kann es zu einer Zwangsveräußerung von Fondsanteilen kommen.

Verlustverrechnung: Verluste steuerlich nutzen

Wenn ihr Wertpapiere mit Verlust verkauft, könnt ihr diese Verluste mit Gewinnen verrechnen und so Steuern sparen. Euer Neobroker führt automatisch einen Verlustverrechnungstopf, der Gewinne und Verluste innerhalb eines Jahres saldiert.

Achtung: Aktienverluste dürfen nur mit Aktiengewinnen verrechnet werden. ETF-Verluste dagegen können mit allen Kapitalerträgen (Dividenden, Zinsen, ETF-Gewinnen) verrechnet werden. Habt ihr Depots bei verschiedenen Brokern, müsst ihr die Verlustverrechnung über die Steuererklärung selbst vornehmen.

Steuererklärung: Wann lohnt sie sich?

Grundsätzlich ist die Abgeltungssteuer eine Quellensteuer – euer Broker führt sie automatisch ab, und ihr müsst nichts weiter tun. Eine Steuererklärung (Anlage KAP) lohnt sich aber in diesen Fällen:

  • Ihr habt Depots bei mehreren Brokern und wollt Verluste broker-übergreifend verrechnen
  • Euer persönlicher Steuersatz liegt unter 25 % (Günstigerprüfung)
  • Ihr habt ausländische Kapitalerträge, die nicht automatisch versteuert wurden
  • Ihr habt keinen oder zu wenig Freistellungsauftrag eingerichtet und wollt zu viel gezahlte Steuern zurückholen

Alle deutschen Neobroker stellen euch im Frühjahr eine Jahressteuerbescheinigung bereit, die alle relevanten Daten für die Steuererklärung enthält.

Fazit: Steuern beim Neobroker – einfacher als gedacht

Für die meisten Anleger ist das Thema Steuern beim Neobroker unkompliziert: Freistellungsauftrag einrichten, Guthaben für Vorabpauschale bereithalten, fertig. Euer Broker erledigt den Rest automatisch. Wer mehrere Depots besitzt oder Verluste verrechnen will, sollte die Anlage KAP in der Steuererklärung ausfüllen – das lohnt sich fast immer.

Muss ich Gewinne aus dem Neobroker in der Steuererklärung angeben?

Nicht zwingend. Deutsche Neobroker führen die Abgeltungssteuer automatisch ab. Die Steuererklärung (Anlage KAP) ist nur nötig, wenn ihr Verluste verrechnen wollt, mehrere Depots habt oder euer Steuersatz unter 25 % liegt.

Was passiert, wenn ich keinen Freistellungsauftrag einrichte?

Dann versteuert euer Broker jeden Euro Gewinn ab dem ersten Cent. Die zu viel gezahlte Steuer könnt ihr euch über die Steuererklärung zurückholen – einfacher ist es aber, den Freistellungsauftrag direkt in der App einzurichten.

Werden Krypto-Gewinne beim Neobroker auch automatisch versteuert?

Bei Trade Republic ja – seit 2024 fallen Krypto-Gewinne dort unter die Abgeltungssteuer und werden automatisch abgeführt. Bei anderen Plattformen (z. B. Krypto-Börsen) müsst ihr Krypto-Gewinne selbst in der Steuererklärung angeben.

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