Neobroker Sicherheit 2026: Wer führt euer Depot und wer haftet?

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Inhalt geprüft am 31. August 2026 von der Benchmark-Buddy-Redaktion
Neobroker Sicherheit 2026: Wer führt euer Depot und wer haftet?

Ist mein Geld beim Neobroker sicher? Die Frage klingt einfach, hat aber bei jedem Anbieter eine andere Antwort. Denn wer euer Depot tatsächlich führt, wer euer Bargeld verwahrt und wer im Ernstfall haftet, ist bei Neobrokern nicht einheitlich geregelt – und in der App seht ihr davon in der Regel nichts. Wir sortieren, welcher Anbieter eine eigene Bank betreibt, wer nur vermittelt, und wo der entscheidende Unterschied zwischen Einlagensicherung und Sondervermögen liegt. Alle Konditionen am 26.08.2026 auf den offiziellen Anbieterseiten geprüft; die Konditionen von Scalable Capital wurden am 31.08.2026 erneut geprüft.

Drei Rollen, die oft verwechselt werden

Hinter einem Neobroker-Konto stecken bis zu drei verschiedene Unternehmen. Erstens die Vermittlung: das ist die App oder der Anbieter, bei dem ihr euch registriert und der eure Orders entgegennimmt. Zweitens die aufsichtsrechtliche Verantwortung: manche Anbieter haben eine eigene Lizenz, andere arbeiten als vertraglich gebundener Vermittler unter dem Haftungsdach eines lizenzierten Wertpapierinstituts. Drittens die Depotbank, also die Stelle, die eure Wertpapiere verwahrt und euer Verrechnungskonto führt. Genau diese dritte Rolle entscheidet, bei welchem Institut eure 100.000 € Einlagensicherung eigentlich zählen.

Für euch als Anleger ist das kein juristisches Detail. Wer bei zwei Anbietern investiert, deren Depots dieselbe Bank führt, hat sein Bargeld beim selben Institut liegen – und die gesetzliche Einlagensicherung gilt pro Bank und Kunde, nicht pro App.

Wer führt bei welchem Anbieter das Depot?

AnbieterRolle des AnbietersDepotführung / VerwahrstelleEinlagensicherung fürs Guthaben
Trade RepublicTrade Republic Bank GmbH, Berlin – deutsche VollbankWertpapiere: eigene Depotführung als Sondervermögen. Cash: nach vorliegenden Informationen Treuhandsammelkonten bei mehreren Partnerbankengesetzlich 100.000 € je Kunde über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken – welche Partnerbank das Guthaben im Einzelfall hält, weist der Anbieter nicht prominent aus
Scalable CapitalScalable Capital Bank GmbH, München – eigene Vollbanklizenz der EZB seit September 2025eigene Depotführung seit Dezember 2025gesetzlich 100.000 € bei der Scalable Capital Bank; mit PRIME+ Verteilung auf die eigene Bank und vier Partnerbanken – bis zu 5 × 100.000 €, also 500.000 €
Smartbroker+Smartbroker AG, Berlin – vermitteltBaader Bank AG, Unterschleißheimgesetzlich 100.000 € bei der Baader Bank
finanzen.net zerofinanzen.net zero GmbH, Karlsruhe – vertraglich gebundener Vermittler unter dem Haftungsdach der DonauCapital Wertpapier GmbHBaader Bank AGgesetzlich 100.000 € bei der Baader Bank
Traders PlaceTraders Place GmbH & Co. KGaA, Freilassing – Anlagevermittler nach WpIG, BaFin-ID 10161662Baader Bank AGgesetzlich 100.000 € bei der Baader Bank
flatexflatexDEGIRO Bank SE – deutsches Kreditinstitut, klassischer Direktbrokereigene Depotführunggesetzlich 100.000 €, Mitglied der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken

Der wichtigste Punkt in dieser Tabelle steht in der zweiten Zeile. Die Baader Bank ist nicht mehr die Depotbank von Scalable Capital. Scalable hat im September 2025 eine eigene Vollbanklizenz der Europäischen Zentralbank erhalten und führt die Depots seit Dezember 2025 über die Scalable Capital Bank GmbH selbst. Ältere Ratgeber – auch frühere Fassungen dieses Textes – nennen hier noch die Baader Bank. Wer ein Depot nach diesem Kriterium auswählt, rechnet mit der falschen Verwahrstelle. Die aktuellen Konditionen stehen in unserem Überblick zu Scalable Capital.

Praktisch heißt das: Bei Trade Republic, Scalable Capital und flatex ist der Anbieter selbst die Bank – bei Trade Republic allerdings nur für die Wertpapierseite, dazu gleich mehr. Bei Smartbroker+, finanzen.net zero und Traders Place liegt euer Depot dagegen bei der Baader Bank AG. Traders Place führt ausdrücklich weder Konten noch Depots selbst, sondern ist Anlagevermittler nach dem Wertpapierinstitutsgesetz. Und finanzen.net zero verteilt die Rollen sogar auf drei Häuser: Der Anbieter vermittelt, die DonauCapital Wertpapier GmbH stellt das Haftungsdach, die Baader Bank verwahrt. Das ist keine Schwäche, aber es erklärt, warum ihr im Kleingedruckten drei verschiedene Firmennamen findet.

Bei Trade Republic ist die Cash-Seite komplizierter als die Depotseite. Eure Wertpapiere werden als Sondervermögen verwahrt und fallen bei einer Insolvenz nicht in die Insolvenzmasse. Die Kundengelder hält der Anbieter nach vorliegenden Informationen dagegen auf Treuhandsammelkonten bei mehreren Partnerbanken – genannt werden unter anderem die Deutsche Bank AG, HSBC Continental Europe S.A., J.P. Morgan SE und Citibank Europe plc. Diese Aufstellung stammt aus einer Sekundärquelle und nicht aus einer Anbieterangabe; wir geben sie deshalb ausdrücklich unter Vorbehalt wieder. Relevant ist sie trotzdem, weil nicht alle genannten Institute in Deutschland sitzen und damit auch nicht alle derselben Sicherungseinrichtung angehören. Die gesetzliche Sicherung von 100.000 € je Kunde greift über die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken. Wer dauerhaft mehr Cash hält, sollte das im Blick behalten und im Zweifel beim Anbieter erfragen, welche Bank das Guthaben aktuell führt. Die übrigen Konditionen stehen in unserem Überblick zu Trade Republic.

Einlagensicherung: Sie gilt für euer Bargeld

Die gesetzliche Einlagensicherung schützt 100.000 € pro Bank und Kunde. Sie greift für euer Guthaben auf dem Verrechnungskonto und auf einem Tagesgeldkonto – also für alles, was gerade nicht investiert ist. Wird das Institut zahlungsunfähig, wird dieses Geld bis zur Obergrenze aus der Sicherungseinrichtung erstattet. flatex weist dazu die Mitgliedschaft in der Entschädigungseinrichtung deutscher Banken aus.

Entscheidend ist das Wort pro Bank. Wer ein Depot bei Smartbroker+ und eines bei finanzen.net zero hat, liegt mit beiden Verrechnungskonten bei der Baader Bank – die 100.000 € gelten dann für die Summe, nicht zweimal. Wer die Grenze im Blick behalten will, zählt also nicht die Apps, sondern die Institute dahinter.

Sondervermögen: Aktien und ETFs fallen gar nicht erst in die Insolvenzmasse

Für eure Wertpapiere gilt eine andere und deutlich stärkere Logik. Aktien, ETFs und Fondsanteile sind Sondervermögen. Sie gehören wirtschaftlich euch, die Depotbank verwahrt sie nur. Geht das Institut pleite, werden diese Papiere nicht Teil der Insolvenzmasse und stehen den Gläubigern der Bank nicht zur Verfügung. Eine Obergrenze von 100.000 € gibt es hier nicht – ein Depot über 500.000 € ist genauso geschützt wie eines über 5.000 €.

Im Insolvenzfall würden eure Wertpapiere auf ein Depot bei einem anderen Institut übertragen. Das kann dauern, und während der Übertragung könnt ihr in der Regel nicht handeln – der Bestand selbst bleibt aber vollständig erhalten. Genau das ist der Unterschied, den viele Anleger nicht kennen: Die Einlagensicherung ist eine Entschädigung mit Deckel, das Sondervermögen ist Eigentum ohne Deckel. Wer große Summen investiert hat, ist bei den Wertpapieren also besser gestellt als beim herumliegenden Cash.

Sonderfall Scalable: Tagesgeld und Verrechnungskonto sind zwei Töpfe

Seit Scalable Capital eine eigene Bank betreibt, unterscheidet der Anbieter zwei Guthabenarten – und das ist auch für die Rendite relevant. Auf dem Tagesgeldkonto gibt es 2,50 % p.a. auf unbegrenztes Guthaben, in beiden Tarifen, FREE wie PRIME+. Das Broker-Guthaben auf dem Verrechnungskonto wird dagegen mit 0 % p.a. verzinst. Wer Geld zwischenparkt, ohne es aktiv auf das Tagesgeldkonto zu buchen, bekommt darauf keinen Zins. Für die Einlagensicherung kommt es dabei auf den Tarif an – und genau an dieser Stelle greifen die meisten Ratgeber zu kurz.

Mit PRIME+ verteilt Scalable das Guthaben auf die eigene Bank und vier Partnerbanken. Die gesetzliche Einlagensicherung von 100.000 € je Institut greift dadurch bis zu fünfmal – in Summe also bis 500.000 €. Ohne PRIME+ erfolgt die Verteilung auf Banken mit 100.000 € je Bank oder auf qualifizierte Geldmarktfonds. Wer dauerhaft sechsstellige Barbestände hält, sollte das Abo für 4,99 € im Monat deshalb nicht allein nach Ordergebühren beurteilen: Zur erweiterten Einlagensicherung – relevant nur für Anleger mit entsprechend hohen Barbeständen – kommt der Ordervorteil, den PRIME+ über den 1. September 2026 hinaus behält. Er hängt von diesem Tag an am Handelsplatz: Über die European Investor Exchange kostet eine Order mit PRIME+ weiterhin 0 € ab 250 € Ordervolumen, nur über gettex und Xetra werden 1,99 € fällig.

Ein zweiter Punkt, der zur Einordnung gehört: Zum 1. September 2026 läuft Scalables Sonderkondition für gettex aus. Eine gettex-Order kostet ab diesem Tag 1,99 € statt 0,99 € im Tarif FREE beziehungsweise statt 0 € ab 250 € Ordervolumen im Tarif PRIME+. Die European Investor Exchange bleibt unverändert: Dort zahlt PRIME+ weiterhin 0 € ab 250 € Ordervolumen und 0,99 € darunter, FREE weiterhin 0,99 € – PRIME-ETFs sind dort im FREE-Tarif ab 250 € gebührenfrei. Xetra wird im selben Zug billiger und kostet statt 3,99 € plus Börsengebühr pauschal 1,99 €. Alle drei Handelsplätze bleiben verfügbar. Wer PRIME+ nutzt und weiter ohne Ordergebühr handeln will, wählt ab dem 1. September 2026 bei der Order die EIX statt gettex – wer gettex aus Gewohnheit stehen lässt, zahlt dann 1,99 € statt nichts. Wie wir Anbieter prüfen und was wir dabei bewusst nicht bewerten, steht in unserer Testmethodik.

Wogegen weder Einlagensicherung noch Sondervermögen helfen

Beide Schutzmechanismen decken den Ausfall eines Instituts ab – nicht mehr und nicht weniger. Diese Risiken bleiben:

  • Marktrisiko: Kursverluste sind kein Fall für die Einlagensicherung. Wenn euer ETF fällt, fällt er – unabhängig davon, wer das Depot führt.
  • Emittentenrisiko bei Zertifikaten und Optionsscheinen: Diese Papiere sind rechtlich Schuldverschreibungen des Emittenten und kein Sondervermögen. Wird der Emittent zahlungsunfähig, ist der Anspruch betroffen.
  • Kryptowerte: Sie sind weder Einlage noch Wertpapier-Sondervermögen. Für sie gelten eigene Verwahrregeln, die je nach Anbieter unterschiedlich ausfallen – prüft das im Einzelfall in den Bedingungen eures Anbieters.
  • Phishing und Social Engineering: Der häufigste reale Schadensfall ist nicht die Bankenpleite, sondern der weitergegebene Zugangscode. Gebt Login-Daten und TAN niemals an Dritte weiter, auch nicht am Telefon.

Was das PFOF-Verbot damit zu tun hat

Seit dem 1. Juli 2026 gilt das PFOF-Verbot aus der MiFIR-Reform. Rückvergütungen des Handelsplatzes an den Broker für die Weiterleitung von Kundenorders sind damit für alle Anbieter Geschichte. Für die Sicherheit eures Depots ändert das nichts, für die Preisgestaltung schon: Trade Republic hat am 02.07.2026 umgestellt, finanzen.net zero bereits zum 01.03.2026; Scalable Capital passt zum 01.09.2026 die Ordergebühren für gettex und Xetra an. „Kein PFOF“ ist entsprechend kein Unterscheidungsmerkmal mehr, weil es für jeden gilt. Welches Modell für welche Ordergröße rechnerisch günstiger ist, zeigt unser Neo-Broker-Vergleich.

Steuern auf Zinsen und Kursgewinne

Zinserträge und realisierte Kursgewinne unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag, gegebenenfalls plus Kirchensteuer. Der Sparer-Pauschbetrag liegt bei 1.000 € pro Person und bei 2.000 € im Fall der Zusammenveranlagung. Damit die Bank den Freibetrag berücksichtigt, müsst ihr einen Freistellungsauftrag erteilen – und zwar bei jedem Institut einzeln. Wer mehrere Depots bei verschiedenen Banken hat, verteilt den Pauschbetrag also selbst und sollte die Summe im Blick behalten.

Fazit: Sicherheit heißt wissen, wer verwahrt

Alle sechs hier betrachteten Anbieter arbeiten unter deutscher beziehungsweise europäischer Aufsicht, und in allen Fällen sind eure Wertpapiere Sondervermögen. Der Unterschied liegt nicht im Schutzniveau, sondern in der Konstruktion: Trade Republic, Scalable Capital und flatex sind selbst Bank – wobei Trade Republic das Cash nach vorliegenden Informationen auf Treuhandsammelkonten bei mehreren Partnerbanken hält –, Smartbroker+, finanzen.net zero und Traders Place lassen bei der Baader Bank verwahren. Wer mehrere Depots nutzt, sollte prüfen, ob dahinter dasselbe Institut steht, und sein Bargeld entsprechend verteilen. Und wer noch einen Ratgeber liest, in dem die Baader Bank als Depotbank von Scalable Capital steht, weiß jetzt, dass dieser Text nicht auf dem Stand ist.

Risikohinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Wertpapiergeschäfte sind mit Kursrisiken verbunden, ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Angaben ohne Gewähr, Stand 31.08.2026: Die Konditionen von Scalable Capital wurden am 31.08.2026 geprüft, die übrigen Anbieterangaben am 26.08.2026.

Häufige Fragen

Wer führt bei Scalable Capital das Depot?

Die Scalable Capital Bank GmbH in München führt die Depots seit Dezember 2025 selbst. Sie hat seit September 2025 eine eigene Vollbanklizenz der EZB. Die Baader Bank ist nicht mehr die Depotbank von Scalable Capital – Ratgeber, die das noch behaupten, sind veraltet.

Was ist der Unterschied zwischen Einlagensicherung und Sondervermögen?

Die Einlagensicherung gilt für euer Bargeld und schützt gesetzlich 100.000 € pro Bank und Kunde. Das Sondervermögen gilt für eure Wertpapiere: Aktien, ETFs und Fondsanteile gehören wirtschaftlich euch und fallen bei einer Insolvenz gar nicht erst in die Insolvenzmasse. Für Wertpapiere gibt es deshalb auch keine Obergrenze.

Was passiert mit meinem Depot, wenn der Broker insolvent wird?

Eure Wertpapiere bleiben euer Eigentum und werden auf ein Depot bei einem anderen Institut übertragen. Während der Übertragung könnt ihr in der Regel nicht handeln, der Bestand bleibt aber vollständig erhalten. Für Guthaben auf dem Verrechnungskonto greift die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 €.

Bei welchen Neobrokern verwahrt die Baader Bank?

Bei Smartbroker+, finanzen.net zero und Traders Place liegt das Depot bei der Baader Bank AG in Unterschleißheim. Trade Republic, Scalable Capital und flatex führen die Depots über eigene Banken. Wer mehrere dieser Anbieter nutzt, sollte beachten: Die 100.000 € Einlagensicherung gelten pro Bank, nicht pro App.

Bekomme ich bei Scalable Capital auf jedes Guthaben 2,50 % Zinsen?

Nein. Die 2,50 % p.a. gelten für das Tagesgeldkonto auf unbegrenztes Guthaben, in beiden Tarifen FREE und PRIME+. Das Broker-Guthaben auf dem Verrechnungskonto wird mit 0 % p.a. verzinst. Wer Geld zwischenparkt, muss es also aktiv auf das Tagesgeldkonto buchen.

Was bedeutet es, dass finanzen.net zero unter einem Haftungsdach arbeitet?

Die finanzen.net zero GmbH ist vertraglich gebundener Vermittler unter dem Haftungsdach der DonauCapital Wertpapier GmbH, verwahrt wird bei der Baader Bank AG. Vermittlung, aufsichtsrechtliche Verantwortung und Depotführung liegen damit bei drei verschiedenen Unternehmen. Am Schutz eurer Wertpapiere als Sondervermögen ändert das nichts.

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